
Sicherheit - ein Gefühl oder eine Illusion
Heute bin ich über ein interessantes Startup gestolpert: SafeNow hat „es sich zur Aufgabe hat, jedem Menschen auf der Welt Sicherheit zu bieten - und zwar kostenlos.“ Es geht hier um eine „App, die sofortigen Zugang zu lokal relevanten Helfern verschafft, egal ob es sich dabei um Freunde, Familie oder professionelle Helfer handelt.
Folgende Gedanken kamen mir dazu spontan:
Sicherheit – ein Begriff, vor allem aber ein Gefühl, zudem ein Faktor, der von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden ist. Sicherheit, insbesondere, wenn es um Notsituationen geht, ist oft solange selbstverständlich, bis wir sie verlieren. Sicherheit zu geben, in allen möglichen Lebenslagen, ist ein unglaublicher Wert und die Idee ist faszinierend.
Sie mit den «wichtigsten Menschen» zu verknüpfen, macht das Ganze einerseits emotional, andererseits führt es einem vor Augen, dass Teil dieser Community zu sein, den Unterschied machen kann. Denn das eine ist es, selbst in Sicherheit zu sein, das andere, geliebte Menschen in Sicherheit zu wissen. Besonders spannend finde ich an der Idee, dass alles virtuell ist, bis zu dem Moment, in dem der Ernstfall eintritt.
Irgendwie hat mich das Thema aber nicht losgelassen, möglicherweise, weil es aktuell in so vielen Bereichen präsent oder vielmehr absent ist.
Sicherheit als Begriff, zum Beispiel „die innere Sicherheit“: Man muss nur in Google „Sicherheit“ eingeben und die News dazu aufrufen - „So nachlässig sind die Deutschen bei privater IT-Sicherheit“,„Schweden investiert 27 Millionen Euro in Sicherheit von Schulen.“ Sicherheit kann demnach (vermeintlich) hergestellt oder gekauft werden.
Von dieser Idee profitiert eine ganze Branche, denn Versicherungen sind nur dazu da, unsichere Gegebenheiten abzusichern, um so ein Gefühl von Sicherheit herzustellen.
Ein „Sicherheitsrisiko“ besteht dann, wenn eine Gefahr für die Sicherheit besteht, auch Personen oder Dinge können ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Sicherheit ist auch ein Gefühl, das trügen kann, das heißt, Sicherheit kann objektiv bestehen und subjektiv empfunden werden, sprich, ich kann mich sicher fühlen, bin es aber nicht – das kennt jeder, der schon einmal einen Krimi gesehen hat, bei dem das Opfer überrascht wird. Man kann sich aber auch unsicher fühlen, wenn objektiv keine Bedrohung besteht, beispielsweise in einem Wald bei Dämmerung oder nachts in einer leeren Tiefgarage.
Ein Synonym für Sicherheit ist Gewissheit, das ist deshalb interessant, weil wohl wenig so ungewiss wie Sicherheit ist. Das Gegenteil der Sicherheit, von der wir sprechen, ist daher wohl eher die Gefahr oder das Risiko.
Genau damit sind wir aktuell konfrontiert, denn Sicherheit als Zustand ist das, was wir wirtschaftlich und weltpolitisch viele Jahrzehnte genießen durften und was uns gerade sukzessive genommen wird, wodurch Sicherheit ganz allgemein zur Illusion wird. An ihre Stelle tritt Angst, quasi als Folge von nicht gefühlter Sicherheit.
Diese Angst ist es, die wir momentan allerorts wahrnehmen und die langsam aber sicher zum Sicherheitsrisiko wird, denn Angst als gesellschaftliches Phänomen wird schnell zu Hysterie. Und beide sind keine guten Ratgeber, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen.
Aus diesem Grund finde ich die Idee von SafeNow gerade zum aktuellen Zeitpunkt klug und tröstlich, denn unabhängig von aller Unsicherheit in Sachen Sicherheit hilft es gerade jetzt unbedingt, Freunde, Familie und professionelle Helfer in Reichweite zu wissen.